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VfR Sölde hat einzige Dortmunder Futsalmannschaft

Afghanische Flüchtlinge: Auf dem Feld sind sie frei

Der VfR Sölde hat in dieser Saison erstmals eine Futsalmannschaft im Spielbetrieb. Mit ein bisschen Glück, steigt sie am Ende der Saison in die Oberliga auf. Doch sie könnte auch abrupt auseinanderbrechen. Der Verein versucht natürlich mit allen Mitteln, genau das zu verhindern.

Mholi, Hassan, Mohammed und Asgiar lassen den Ball und den Gegner laufen. Lauffinte links, Ball mit der Sohle gestreichelt, weitergeleitet, die Gegner rennen nur hinterher. Endstand 18:6, Tabellenführer und vor allem: Die eigenen Sorgen für ein paar Stunden vergessen.

„Gedanken nicht komplett weg“

Die vier Futsalspieler vom VfR Sölde sind Teil der aktuell einzigen Futsalmannschaft Dortmunds. Der Kader besteht fast komplett aus gerade volljährigen afghanischen Flüchtlingen, die hier leben und zum Teil für ein halbes, zum Teil für ein ganzes Jahr geduldet sind. Ebrahim Khademi ist ihr Trainer, er sagt: „Die Gedanken gehen nicht komplett weg, aber die Jungs können zwei Stunden lang Spaß haben und lachen.“ Der 23-Jährige kam vor sieben Jahren selbst über den Iran, Italien, Frankreich, die Niederlande und Belgien nach Deutschland. „Ich war illegal“, sagt er frei heraus. Die Behörden griffen ihn auf, so kam er nach Dortmund und später zum VfR Sölde.

Dort kümmert sich Siegfried „Siggi“ Müller zusammen mit dem 1. Vorsitzenden Michael Peschke seit Jahren um die Integration von Migranten- und Flüchtlingskindern, was dem VfR den Titel als „Landesstützpunkt für Sport & Integration“ eingebracht hat. Am Samstag in der Halle gibt Müller seinem Schützling Mitte der ersten Halbzeit noch Tipps: „Ebrahim, ihr dürft jetzt nicht nachlassen.“ Da steht es gerade 6:2.

Geschichte voller Unsicherheiten

Ebrahim spielte in der B- und A-Jugend des VfR, findet hier Freunde, macht sein Fachabitur und durchläuft aktuell ein Anerkennungsjahr als Industriemechaniker. Was nach dem Lebenslauf eines ganz normalen Jugendlichen klingt, ist in Wahrheit eine Geschichte voller Unsicherheiten und Angst vor der Rückkehr nach Afghanistan. Kurz vor dem Ende der 12. Klasse soll Ebrahim tatsächlich abgeschoben werden - nur das schnelle Handeln des VfR, der eine Ausbildungsstelle organisiert, verhindert den Vollzug.

Im Jahr der großen Flüchtlingswelle, 2015, kommen viele unbegleitete Jugendliche auch aus Afghanistan nach Dortmund. Ebrahim sieht eine Gruppe von ihnen Fußballspielen. „Ich wollte nicht, dass sie auf der Straße kicken müssen.“ Er macht aus ihnen eine Mannschaft. Seine Mannschaft. „Sie sind wie ich damals. Für mich war schnell klar, dass ich die Trainerrolle übernehme. Sie sollen spielen“, sagt Ebrahim und meint: die Angst ausblenden. Bei mehreren von Flüchtlingsinitiativen organisierten Turnieren spielen sie mit und landen nicht selten weit vorne. „Da dachte ich: Das können wir doch auch in einer Liga“, sagt Ebrahim.

Spiel wird zum Training genutzt

Das bekommt der 1. FC Soest am Samstag zu spüren. Mittlerweile führt Ebrahims Mannschaft mit zehn Toren Vorsprung und nutzt das Spiel zum Training mit fünftem Feldspieler. Die Futsal-Westfalenliga ist die unterste des FLVW. Wirklich taktisch wird hier in der Regel noch nicht gespielt. Ebrahim und seine Jungs kennen die Möglichkeiten allerdings von ihrer ersten Flüchtlingsstation im Iran - dem Futsal-Weltmeisterschaftsdritten von 2016. „Ich habe im Iran sehr viel gelernt“, sagt Ebrahim. Die Vorerfahrungen waren auch der Grund, warum sie sich für Futsal entschieden haben. Für die Westfalenliga sind sie allerdings vielleicht schon zu gut.

Ob sie im Falle eines Aufstiegs in der Oberliga spielen könnten, entscheidet - so hart es klingt - auch die Ausländerbehörde in Dortmund. Wirklich frei sind Ebrahim und seine Jungs im Moment nur, wenn sie spielen. 

 

Autor: Daniel Otto, Ruhr-Nachrichten, 08.11.2017

Zum Artikel bei ruhrnachichten.de

Einer für alle: Das Futsalteam vom VfR Sölde vor dem Spiel gegen Soest. Foto: Laryea

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